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UE-Management-Artikel
Mobile Textnachrichten:
Geschäftserfolg trotz schlechter Usability?
Ralph Hinderberger - Dr. Maria del Carmen Martinez,
UE-Management (06.11.04)
- 1. Einleitung -

Vom Handy aus verschickte Text-Kurznachrichten (SMS oder i-Mail, siehe Info-Box rechts) machen nach einer aktuellen Studie (PDF, 980 KB) Zur Dialog Consult-Studie (öffnet ein neues Browserfenster) auch 2004 erneut den Löwenanteil des Umsatzes der Deutschen Mobilfunkindustrie im Bereich der Datenübertragung aus.

Spricht man mit Fachleuten aus der Usability- und Mobilfunk-Branche über dieses Thema, hört man immer wieder zwei übereinstimmende Aussagen:

  • "Wir alle waren damals vom SMS-Erfolg überrascht - und sind es noch heute"

  • "Wir verstehen nicht, wie sich eine so nutzungs-unfreundliche Technologie überhaupt als Massenphänomen durchsetzen konnte"

Das aktuelle Mobilfunk-Motto: "Time to Market" schlägt "Time to Quality"
Der allgemeine Eindruck, dass die Mobilfunk-Industrie beim Start der mobilen Textmitteilungs-Services vor ca. 8 Jahren dessen Erfolg nicht vorhersehen konnte, wirkt sich dort bis heute in einer Grundannahme aus:

Da man den Erfolg mobiler Innovationen nicht im Vorfeld bestimmen kann, braucht man es auch gar nicht erst zu versuchen. Der Markt regelt das Angebot durch Selektion ohnehin selbstständig.

Dieses Paradigma führt wiederum bei mobilen Datendiensten zur allgemeinen Billigung einer Entwicklungs-"Kultur", die man als Lightspeed Trial and Error bezeichnen kann. Diese Form des Technologie-Darwinismus funktioniert ungefähr so:

  • Für die Anbieter eines neuen mobilen Datendienstes zählt aktuell nur ein Faktor: Sei der Erste!

  • Die Projektzeiträume liegen daher im Durchschnitt bei nur 2-6 Monaten

  • Es bleibt keine Zeit für eine "saubere" Entwicklung und Qualitätssicherung

  • Neue Produkt werden auch dann an den Markt gebracht, wenn kurz vor Veröffentlichung durchgeführte Akzeptanztests eine Kundenakzeptanz nicht nachweisen können

  • Nur eine extrem hohe Anzahl an neuen Diensten können eine gewisse Mindestanzahl an Umsätzen aus diesen zufallsgetriebenen Anstrengungen heraus zu generieren ("Schrotflinten-Prinzip")

  • In den Jahren 2001 bis 2004 mussten buchstäblich hunderte von neuen Daten-Diensten wahllos über die verschiedenen Mobilfunk-Portale (Vodafone LIVE!, T-Zones, i-mode) auf den Markt geworfen werden

  • Die Portal-Menüstrukturen wuchsen explosionsartig und erschwerten so eine effektive Navigation - und somit eine umsatzträchtige Intensiv-Nutzung - von Dienst zu Dienst immer mehr (Stichwort: Stecknadel in einem permanent wachsenden Heuhaufen)

Diese ineffiziente Entwicklungs-Kultur hat auf der ökonomischen Ebene fatale Auswirkungen gehabt: Aus den Zahlen der Eingangs genannten Studie geht recht eindeutig hervor, dass den gesamten Entwicklungskosten für neue Dienste und Technologien in unbekannter Millionen- (Milliarden?-) Höhe lediglich 5-15% daraus erzieltem Umsatz gegenüberstehen.

Die ökonomischen Auswirkungen ineffizienter Datendienst-Entwicklung
Eine solche Business-Ineffizienz verlangt nach Kompensation, soll sie nicht zum schnellen Tod der Anbieter führen. Bis zu einem gewissen Grad gelang dies auch durch eine Subventionierung über die Einnahmen der klassischen "Mobilfunk-Cash Cows" Sprachtelefonie und SMS.

Darüber hinaus wurden die Datenübertragungs-Geschäftsmodelle von Seiten der Mobilfunkanbieter häufig so gestaltet, dass die Transaktions-Margen (also die Aufteilung des Nutzungs-Entgeldes) für sie als Portalbetreiber ein Überleben zumindest in Aussicht stellen konnten.

Spricht man hingegen mit externen Dienste-Anbietern, so hört man oft, dass dadurch für die eigentlichen Content-Lieferanten nicht genug übrig bleibt, um als interessantes Geschäftsmodell zu gelten. Das der dort so erzeugte Kostendruck auf Seiten der Content-Anbieter nur zu einer noch schnelleren Entwicklung bei noch geringerer Qualitätssicherung führen kann, war bisher offensichtlich bei den Mobilfunk-Netzbetreibern kein Grund zur Besorgnis. Schließlich regelt ja der Markt das Angebot...

Trotz aller Kompensations-Maßnahmen: Der Grad an Shareholder Value-Schädigung, der bei allen Mobilfunk-Anbietern und Handy-Herstellern als Aktiengesellschaften den Marktwert des Unternehmens entscheidend prägt, ist zwar bislang noch nicht eingehend untersucht worden.

Dass eine solche Schädigung jedoch vorliegen muss, darf jedoch angesichts einer solch geringen Business-Effizienz als gesichert gelten. Die Tatsache, dass Mobilfunk-Aktien dem einheitlichen Trend der Weltwirtschaft zur Erholung seit dem Jahr 2003 mehrheitlich nicht folgen, spricht hier eine deutliche Sprache.

Zwischenbilanz (1)
Das Unverständnis der Industrie hinsichtlich des "Phänomens mobile Textnachricht" schwingt also bis heute in unheilvoller Weise bei der Entwicklung neuer Mobilfunk-Technologien quasi als "dunkler Schatten" stets mit, und beeinflusst sowohl die Gewinnträchtigkeit dieser Branche als auch die Entwicklung der jeweiligen Aktien in unheilvoller Weise.

Doch war der Erfolg von SMS wirklich so unvorhersehbar und überraschend? Worin liegt der Mehrwert, den SMS&Co. von Anfang an geboten haben - und noch bis heute bieten? Und was kann daraus für die Zukunft gelernt werden?

Lesen sie weiter: Abschnitt 2 (von 7) - "Pager"

 
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Was ist eigentlich...

...SMS?
SMS (Short Message Service) ist ein kostenpflichtiger Dienst, mit dem Nachrichten von bis zu 160 Zeichen (bzw. 224 Zeichen beim Verwenden eines 5-Bit-Modus) an mobile Telefone gesendet werden, die als technischen Standard das Globale System für Mobile Kommunikation GSM verwenden.
   SMS-Nachrichten erfordern zum Versand kein innerhalb des Empfangsbereichs aktiviertes mobiles Telefon. Ist das Zielgerät inaktiv, wird die Nachricht automatisch einige Tage gespeichert.
   Der Versand kann außer über einem Mobiltelefon auch über eine mit PC-Verbindung ausgerüstete Web-Site oder von einem digitalen Telefon zu einer anderen gesandt werden. SMS und E-Mail sind nicht miteinander kompatibel.
   GSM und SMS sind in erster Linie in Europa etabliert. SMS ist dem Paging ähnlich.

 
 

...i-Mail?
i-Mail ist eine vom Japanischen Netzwerkbetreiber NTT DoCoMo für sein mobiles Service-Angebot i-Mode entwickelte kostenpflichtige Form der mobilen E-Mail.
   Auch hierbei wird bei einem inaktiven Empfängerdie Nachricht eine zeitlang automatisch zwischengespeichert.
Im Gegensatz zum SMS sind i-Mail und E-Mail direkt miteinander kompatibel.

 
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