| Vom Handy aus verschickte Text-Kurznachrichten (SMS
oder i-Mail, siehe Info-Box rechts) machen nach einer aktuellen
Studie (PDF, 980 KB)
auch 2004 erneut den Löwenanteil des Umsatzes der Deutschen
Mobilfunkindustrie im Bereich der Datenübertragung
aus.
Spricht man mit Fachleuten aus der Usability- und Mobilfunk-Branche
über dieses Thema, hört man immer wieder zwei
übereinstimmende Aussagen:
- "Wir alle waren damals vom SMS-Erfolg überrascht
- und sind es noch heute"
- "Wir verstehen nicht, wie sich eine so nutzungs-unfreundliche
Technologie überhaupt als Massenphänomen durchsetzen
konnte"
Das aktuelle Mobilfunk-Motto: "Time
to Market" schlägt "Time to Quality"
Der allgemeine Eindruck, dass die Mobilfunk-Industrie beim
Start der mobilen Textmitteilungs-Services vor ca. 8 Jahren
dessen Erfolg nicht vorhersehen konnte, wirkt sich dort
bis heute in einer Grundannahme aus:
Da man den Erfolg mobiler Innovationen
nicht im Vorfeld bestimmen kann, braucht man es auch gar
nicht erst zu versuchen. Der Markt regelt das Angebot durch
Selektion ohnehin selbstständig.
Dieses Paradigma führt wiederum bei mobilen Datendiensten
zur allgemeinen Billigung einer Entwicklungs-"Kultur",
die man als Lightspeed Trial and
Error bezeichnen kann. Diese Form des Technologie-Darwinismus
funktioniert ungefähr so:
- Für die Anbieter eines neuen mobilen Datendienstes
zählt aktuell nur ein Faktor: Sei der Erste!
- Die Projektzeiträume liegen daher im Durchschnitt
bei nur 2-6 Monaten
- Es bleibt keine Zeit für eine "saubere"
Entwicklung und Qualitätssicherung
- Neue Produkt werden auch dann an den Markt gebracht,
wenn kurz vor Veröffentlichung durchgeführte
Akzeptanztests eine Kundenakzeptanz nicht nachweisen können
- Nur eine extrem hohe Anzahl an neuen Diensten können
eine gewisse Mindestanzahl an Umsätzen aus diesen
zufallsgetriebenen Anstrengungen heraus zu generieren
("Schrotflinten-Prinzip")
- In den Jahren 2001 bis 2004 mussten buchstäblich
hunderte von neuen Daten-Diensten wahllos über die
verschiedenen Mobilfunk-Portale (Vodafone LIVE!, T-Zones,
i-mode) auf den Markt geworfen werden
- Die Portal-Menüstrukturen wuchsen explosionsartig
und erschwerten so eine effektive Navigation - und somit
eine umsatzträchtige Intensiv-Nutzung - von Dienst
zu Dienst immer mehr (Stichwort: Stecknadel in einem permanent
wachsenden Heuhaufen)
Diese ineffiziente Entwicklungs-Kultur hat auf der ökonomischen
Ebene fatale Auswirkungen gehabt: Aus den Zahlen der Eingangs
genannten Studie geht recht eindeutig hervor, dass den gesamten
Entwicklungskosten für neue Dienste und Technologien
in unbekannter Millionen- (Milliarden?-) Höhe lediglich
5-15% daraus erzieltem Umsatz gegenüberstehen.
Die ökonomischen Auswirkungen
ineffizienter Datendienst-Entwicklung
Eine solche Business-Ineffizienz verlangt nach Kompensation,
soll sie nicht zum schnellen Tod der Anbieter führen.
Bis zu einem gewissen Grad gelang dies auch durch eine Subventionierung
über die Einnahmen der klassischen "Mobilfunk-Cash
Cows" Sprachtelefonie und SMS.
Darüber hinaus wurden die Datenübertragungs-Geschäftsmodelle
von Seiten der Mobilfunkanbieter häufig so gestaltet,
dass die Transaktions-Margen (also die Aufteilung des Nutzungs-Entgeldes)
für sie als Portalbetreiber ein Überleben zumindest
in Aussicht stellen konnten.
Spricht man hingegen mit externen Dienste-Anbietern, so
hört man oft, dass dadurch für die eigentlichen
Content-Lieferanten nicht genug übrig bleibt, um als
interessantes Geschäftsmodell zu gelten. Das der dort
so erzeugte Kostendruck auf Seiten der Content-Anbieter
nur zu einer noch schnelleren Entwicklung bei noch geringerer
Qualitätssicherung führen kann, war bisher offensichtlich
bei den Mobilfunk-Netzbetreibern kein Grund zur Besorgnis.
Schließlich regelt ja der Markt das Angebot...
Trotz aller Kompensations-Maßnahmen: Der Grad an
Shareholder Value-Schädigung, der bei allen Mobilfunk-Anbietern
und Handy-Herstellern als Aktiengesellschaften den Marktwert
des Unternehmens entscheidend prägt, ist zwar bislang
noch nicht eingehend untersucht worden.
Dass eine solche Schädigung
jedoch vorliegen muss, darf jedoch angesichts einer solch
geringen Business-Effizienz als gesichert gelten. Die Tatsache,
dass Mobilfunk-Aktien dem einheitlichen Trend der Weltwirtschaft
zur Erholung seit dem Jahr 2003 mehrheitlich nicht folgen,
spricht hier eine deutliche Sprache.
Zwischenbilanz (1)
Das Unverständnis der Industrie hinsichtlich des "Phänomens
mobile Textnachricht" schwingt also bis heute in unheilvoller
Weise bei der Entwicklung neuer Mobilfunk-Technologien quasi
als "dunkler Schatten" stets mit, und beeinflusst
sowohl die Gewinnträchtigkeit dieser Branche als auch
die Entwicklung der jeweiligen Aktien in unheilvoller Weise.
Doch war der Erfolg von SMS wirklich so unvorhersehbar
und überraschend? Worin liegt der Mehrwert, den SMS&Co.
von Anfang an geboten haben - und noch bis heute bieten?
Und was kann daraus für die Zukunft gelernt werden?
Lesen
sie weiter: Abschnitt 2 (von 7) - "Pager"
|